Downcycling von Textilien: Letzter Ausweg oder sinnvolle Lösung?

Upcycling, Downcycling, Recycling. Was mittlerweile gängige Buzzwords in der Kommunikation um die Wiederverwendung von Textilien sind, stiftet doch manchmal noch Verwirrung. Wir sehen uns genauer an, was beim Downcycling von Textilien passiert und ab wann es überhaupt sinnvoll ist. Sollte Downcycling der letzte Ausweg für Altkleider vor dem Verbrennen sein oder hat es mehr zu bieten? Nächste Woche beschäftigen wir uns auf dem Blog dann mit Upcycling.

Downcycling von Textilien

Inhalte

Was ist Downcycling?

Wie läuft das Downcycling von Textilien ab?

Ab wann ist das Downcycling von Textilien sinnvoll?

Ausblick zum Downcycling von Textilien

 

Was ist Downcycling?

Fangen wir am besten mit einer Abgrenzung zu Recycling und Upcycling an: Der Begriff Recycling gibt streng genommen keinen Aufschluss darüber, ob Wertstoffe in ihrer ursprünglichen Form, einer aufgewerteten oder einer minderwertigen wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden; obwohl wir meist an die Rückführung von Wertstoffen in ihrer Originalform denken. Dahingegen wird beim Upcycling die ursprüngliche Form des Wertstoffs auf kreative Weise mit etwas neuem angereichert. Mit Upcycling beschäftigen wir uns nächste Woche in einem anderen Artikel.

Downcycling beschreibt im Gegensatz dazu den Vorgang, in dem hochwertige Materialien in minderwertigere umgewandelt werden; die Qualität also reduziert wird. Dadurch, dass die Qualität des ursprünglichen Rohstoffs minimiert wird, muss im Anschluss an das Downcycling meist ein neuer Rohstoff hinzugefügt werden, um die Qualität des neu entstehenden Produkts zu gewährleisten.

Inzwischen ist der Begriff in verschiedenen Bereichen angekommen – so spricht man beispielsweise auch über Downcycling im Bereich Mode oder Elektronik. Ein Produkt oder Material wird hier in seine Bestandteile zerlegt, um es anschließend in einem anderen Produkt oder Material wiederzuverwenden. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie eine effizientere Nutzung von Rohstoffen ermöglicht und so die Umweltbelastung minimiert. So können beispielsweise nicht mehr gebrauchsfähige Elektrogeräte in ihre Einzelteile zerlegt werden, die jeweils einen neuen Nutzen bekommen; ohne dass der Anspruch besteht, das Produkt in seiner Originalform zu verwenden.

 

Wie läuft das Downcycling von Textilien ab?

Beim Downcycling von Textilien wird die Kleidung oft als Putzkappen verwendet.

Auch in der Textilindustrie ist Downcycling eine gängige Methode für Kleidung, die tendenziell von schlechterer Qualität ist. Drei der am häufigsten genutzten Bereiche für das Downcycling von Textilien sind der Einsatz als Putzlappen, Malervlies oder Isoliermaterial für die Möbel-, Automobil- oder Bauindustrie. Anhand von mechanischen Verfahren werden Textilien in ihre Einzelfasern zerlegt, die dann durch Walzen in eine glatte Form gepresst werden und als Malervlies oder Dämmmaterial wiederverwendet werden. Für den Einsatz als Putzlappen werden die Textilien zunächst sortiert, gewaschen und anschließend zugeschnitten.

 

Ab wann ist Downcycling von Textilien sinnvoll?

Nach dem Vorbild der Abfallhierarchie sollte die Wiederverwendung von Rohstoffen in ihrer Originalform immer oberste Priorität haben. Im Textilbereich sollte also darauf geachtet werden, dass ein möglichst hoher Anteil der Kleidung wieder verkauft bzw. verwendet wird und erst dann downgecycelt wird, wenn die Qualität der Altkleider sich nicht mehr für die bevorzugten Verwendungswege wie z.B. den Verkauf in Secondhandläden eignet. Downcycling ist aber immer noch der sinnvollere Verwertungsweg vor der thermischen Verwertung, also dem Verbrennen von Textilien.

Durch die kontinuierlich sinkende Qualität von Fast Fashion wird Downcycling im Textilbereich vermutlich immer wichtiger; denn immer weniger Kleidung eignet sich wirklich für den Wiederverkauf in Secondhandläden oder die Wiederverwendung für soziale Zwecke. Aber wie hoch ist momentan der Anteil der Kleidung, der im Downcycling verarbeitet wird? Sehen wir uns dazu mal Zahlen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) an, die auf ihrer Website offen darlegen, wie sie gespendete Altkleider aus den DRK-Containern weiterverarbeiten:

  • Weniger als 10% der Kleider werden lokal an Bedürftige weitergegeben bzw. landen in lokalen Kleiderkammern.
  • 40% (Tendenz steigend) werden in andere Länder verkauft und exportiert.
  • 40% kommen in die stoffliche Verwertung (also ins Downcycling).
  • 10% gelangen in die thermische Verwertung (werden also verbrannt).

Bei lokalen Verwertungsfirmen wie der FES in Frankfurt sieht es ähnlich aus: 60% der Kleidung wird verkauft und exportiert und rund 36% landen im Downcycling als Putzlappen oder anderen Einzelteilen für die Industrie. Downcycling macht also neben verkaufter Exportware durchaus einen großen Anteil der Altkleiderverwertung aus. Vor dem Hintergrund von Fast Fashion können wir damit rechnen, dass der Anteil, der in die stoffliche Verwertung geht, höher wird.

 

Ausblick zum Downcycling von Textilien

Auch wenn beim Downcycling qualitativ minderwertige Produkte aus Textilien entstehen, ist Downcycling immer noch besser, als die Textilien zu verbrennen und stattdessen neue Ware zu produzieren. Wir können nur hoffen, dass in der Zukunft noch mehr in Technologie zur sinnvollen stofflichen Verwertung investiert wird, sodass Kleidung häufiger zu Kleidung recycelt werden kann – und nicht zu Putzlappen. Besonders hohes Potenzial hat das Faser-zu-Faser-Recycling, bei dem Textilien geschreddert werden und dann als Fasern in der Textilproduktion eingesetzt werden. Diese Technologie ist aber noch längst nicht so ausgereift, dass sie im großen Stil einsetzbar wäre.

Wenn dich das Thema Faser-zu-Faser-Recycling interessiert, kuck mal bei diesem Artikel vorbei: Kann Textilrecycling unser Altkleiderproblem lösen? Im Gespräch mit Startup eeden

Im Umkehrschluss ist es natürlich essenziell, dass Unternehmen von vornherein Textilien produzieren, die auf Langlebigkeit ausgerichtet sind und hochqualitativ sind. Je höher die Qualität von Kleidung ist, desto länger können wir sie tragen und in ihrer Originalform wiederverwenden. Dazu könnte beispielsweise die Ökodesign-Richtlinie Anreize geben, die Hersteller dazu auffordert, kreislauffähige Produkte auf den Markt zu bringen. Angesichts der vielen Regelungen, die die EU aktuell zur Erreichung des Green Deal durchsetzt, sind wir zuversichtlich, dass sich hier bald einiges änder wird, und wir immer weniger auf Downcycling zurückgreifen müssen. Um die Frage aus dem Titel dieses Beitrags zu beantworten: Downcycling ist letztendlich eine sinnvolle Lösung, aber nur wenn sie als letzter Ausweg vor der Verbrennung angesehen wird.

 

Quellen

https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Kooperation/Textilrecycling.html?__blob=publicationFile&v=6 

https://fashionchangers.de/downcycling-ende-in-sicht/ 

https://www.drk.de/spenden/spenderservice/spendentransparenz-spenderservice/kleidersammlung/ 

https://www.fes-frankfurt.de/presse/pressemitteilung?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=928&cHash=a8b312f1e8d3e717bbc4fdd44ca61363